Flusskrebse

Heimische Arten - Eingebürgerte Arten - Gefährdung - Krebspest - Schutz - Wiederansiedlung - Bezugsadressen Edelkrebse - Besatzkriterien - Bestimmung - Nachweis - Rechtliche Bestimmungen - Literatur - Beobachtungen - Erstnachweis
 


Flusskrebse in NRW

Die folgende Vorstellung der bisher in NRW nachgewiesenen Flusskrebsarten gibt einen kurzen Einblick in die Lebensweise der Tiere. Weiterhin werden die wichtigsten, auch dem weniger geübten Betrachter zugänglichen Bestimmungsmerkmale erläutert. Einige nicht zu vermeidende Fachbegriffe werden in den Abbildungen des Bestimmungsschlüssels erläutert. Neben den schon in NRW vorkommenden sechs Arten ist der Kalikokrebs (Orconectes immunis) und der Marmorkrebs (Procambarus spec.) mit in den Bestimmungsschlüssel aufgenommen worden, da zu befürchten ist, dass diese Arten zumindest mittelfristig auch in NRW nachgewiesen werden.


Die heimischen Flusskrebse

Früher lebten Flusskrebse in den meisten Binnengewässern Mitteleuropas. Auch die Bäche, Flüsse und stehenden Gewässer im heutigen Nordrhein-Westfalen wurden in ihrer Mehrzahl von ihnen besiedelt, oftmals in hohen Bestandsdichten. Flusskrebse gehören damit zum natürlichen Arteninventar unserer Gewässer.

Anklicken zum VergrößernDie ausgedehnten und individuenreichen Flusskrebsbestände vergangener Zeiten wurden im Wesentlichen durch den Edelkrebs gebildet, der auch als Europäischer Flusskrebs bezeichnet wird. Die Häufigkeit seines Vorkommens und sein wohlschmeckendes Fleisch machten ihn in den vergangenen Jahrhunderten zu einem begehrten Nahrungsmittel. Fang und Handel wurden in einem aus heutiger Sicht kaum noch vorstellbaren Ausmaß ausgeübt.

Eine zweite Flusskrebsart, der Steinkrebs, kam zeitgenössischen Aufzeichnungen zufolge früher in den südlichen, gebirgigen Teilen Nordrhein-Westfalens vor. Er ist ein Bewohner kalter, schnell strömender Bachoberläufe. Die wenigen, teilweise erst in jüngster Zeit entdeckten Vorkommen des Steinkrebses sind ein deutlicher Hinweis, dass diese Art tatsächlich in Nordrhein-Westfalen ursprünglich heimisch ist.

Die Bestände der heimischen Flusskrebsarten sind in den letzten 100 Jahren stark zurückgegangen. Beim Edelkrebs muss sicherlich von einem dramatischen Einbruch gesprochen werden. Auch vom Steinkrebs sind in NRW nur noch drei kleinere Vorkommen im äußersten Süden Nordrhein-Westfalens bekannt. In der Südhälfte Deutschlands und im Alpenraum kommt der Steinkrebs dagegen noch vergleichsweise häufig vor. Stabile Populationen des Edelkrebses findet man nur noch in sehr wenigen Gewässern Nordrhein-Westfalens. Aufgrund dieser Bestandssituation und der anhaltenden Gefahren gilt der Edelkrebs in unserem Land als stark gefährdet. Der Steinkrebs ist in NRW sogar vom Aussterben bedroht. Beide Arten sind gemäß der FFH-Richtlinie europaweit geschützt (Infos dazu beim MUNLV NRW: Edelkrebs bzw. Steinkrebs)

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Edelkrebs, Europäischer Flusskrebs (Astacus astacus)

Mit Körperlängen bis 18 cm (von der „Nasenspitze“ bis zum Schwanzende, d. h. ohne Scheren!) ist der Edelkrebs die größte bei uns vorkommende Flusskrebsart. Er war historisch in den meisten Gewässern NRWs verbreitet. Sein ursprünglicher Lebensraum sind größere Bäche, Flüsse und Seen mit ausreichend Versteckmöglichkeiten. Da der Edelkrebs wie die meisten Flusskrebse auch verendete und kranke Tiere frisst, wirkt er im Gewässer als „Gesundheitspolizei“.

Der Edelkrebs ist meist einheitlich braun gefärbt, wobei die Spanne je nach Gewässer von recht hellen bis hin zu annähernd schwarzen Tieren reicht. Regelmäßig finden sich aber auch Exemplare mit einem mehr oder weniger intensiven roten, grünen oder blauen Schimmer.

Orangerote Scherenunterseiten in Verbindung mit leuchtend rot gefärbten Gelenkhäuten in den Scherengelenken kennzeichnen diese Flusskrebsart. Der Körperpanzer weist an der Oberseite hinter den Augen zwei Paar Augenleisten auf, an den Seiten direkt hinter der Nackenfurche befindet sich mindestens ein kleiner Dorn.

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Steinkrebs (Austropotamobius torrentium)

Mit Längen von 8 bis höchstens 10 cm ist der Steinkrebs die kleinste europäische Flusskrebsart. Er ist in den südlichen Teilen NRWs heimisch. In den Einzugsgebieten von Weser und Ems kommt der Steinkrebs natürlicherweise nicht vor. Der Steinkrebs lebt überwiegend in sommerkühlen, natürlichen und unverschmutzten Bachoberläufen, die er bis zur Quellregion besiedeln kann. Wie der Edelkrebs ist er nachtaktiv und verbirgt sich am Tage in Verstecken.

Die Körperoberseite der Steinkrebse ist meist graubraun gefärbt. Da hellere Bereiche mit dunkleren wechseln, ergibt sich insgesamt ein leicht marmorierter Eindruck. Die Tiere haben stets hellgraue bis weißbraune Scherenunterseiten (markanter Unterschied zu Edelkrebsen ähnlicher Größe!), ein auffallend stumpfes Rostrum und nur ein Paar Augenleisten. Der gesamte Panzer ist unbedornt.

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Einbürgerung fremder Flusskrebsarten

Schon vor über 100 Jahren wurde damit begonnen, aus anderen Teilen der Welt stammende Flusskrebsarten in mitteleuropäischen Gewässern auszusetzen. Diese als gebietsfremd zu bezeichnenden Krebsarten konnten sich in ihren neuen Lebensräumen oftmals erfolgreich behaupten und ausbreiten. Für die Ansiedlung in immer neuen Gewässern ist in der Regel der Mensch verantwortlich. Heute leben daher neben den heimischen Krebsen mindestens vier weitere Flusskrebsarten in NRW. Hierbei handelt es sich um den ursprünglich in Südosteuropa beheimateten Galizischen Sumpfkrebs sowie die aus Nordamerika stammenden Arten Kamberkrebs, Signalkrebs und Roter Amerikanischer Sumpfkrebs.

Der in nahezu allen größeren Flüssen und Kanälen lebende Kamberkrebs ist mittlerweile die häufigste Flusskrebsart. Auch der Signalkrebs konnte schon in vielen Gewässersystemen nachgewiesen werden und breitet sich offensichtlich stetig aus. Ob sich der mittlerweile in mehreren Gewässern lebende Rote Amerikanische Sumpfkrebs ebenfalls ausbreitet, ist noch nicht zu sagen. Wie in anderen Bundesländern ist auch für NRW zu befürchten, dass weitere Flusskrebsarten v.a. über den Aquarienhandel in unsere Gewässer gelangen.

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Kamberkrebs, Amerikanischer Flusskrebs (Orconectes limosus)

Mit einer Körperlänge von höchstens 13 cm gehört der Kamberkrebs zu den kleineren in NRW lebenden Flusskrebsarten. Im Gegensatz zu den sehr standorttreuen heimischen Arten ist er äußerst wanderfreudig und überlebt auch in verschmutzten und strukturarmen Gewässern. Zusammen mit der hohen Vermehrungsrate und der Verfrachtung durch den Menschen hat dies zu seiner großen Verbreitung geführt. Kühlere Gewässer scheint er allerdings zu meiden. Durch seine auch tagaktive Lebensweise wird der Kamberkrebs häufiger beobachtet.

Die meist gut erkennbaren rostbraunen Querstreifen auf den einzelnen Segmenten des Hinterleibes in Verbindung mit mehreren gut sichtbaren Dornen an jeder Seite des Körperpanzers sind die unverwechselbaren Kennzeichen des Kamberkrebses. Die Spitzen der Scheren sind meist orange, die Scherenunterseiten hellbraun bis grau, niemals rot. Die paarigen Augenleisten des Kamberkrebses sind nicht unterbrochen.

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Galizischer Sumpfkrebs (Astacus leptodactylus)

Der Galizische Sumpfkrebs, gelegentlich auch kurz „Galizier“ genannt, erreicht mit einer Körpergröße bis zu 18 cm ähnliche Abmessungen wie Edel- und Signalkrebse. Die vereinzelten Vorkommen des in NRW ursprünglich nicht heimischen Galizischen Sumpfkrebses beruhen auf Besatzmaßnahmen. Im Vergleich zum Edelkrebs bevorzugt er mehr stehende oder langsamfließende Gewässer. Gegenüber schlammigem Gewässergrund, Sauerstoffgehalt und Wassertemperatur besitzt er eine etwas höhere Toleranz.

Galizische Sumpfkrebse haben meist eine hellbraune bis schmutzig-gelbe Körperfärbung. Häufig besitzt v.a. der Kopfbereich kleine dunklere Flecken. Die Scheren der männlichen Tiere wirken auffällig langgestreckt mit geraden, nicht gebuchteten Scherenfingern. Die Scherenunterseiten sind blassgelb bis hellbraun, niemals rot. Seitlich im Bereich der Nackenfurche befinden sich mindestens ein, meist aber mehrere große, spitze Dornen. Auch die zwei Paar Augenleisten sind bedornt.

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Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus)

Der Signalkrebs ähnelt hinsichtlich Lebensweise, Erscheinungsbild und Körpergröße sehr dem heimischen Edelkrebs. Da er schneller wächst, eine höhere Vermehrungsrate hat und wesentlich aggressiver ist, ist er dem Edelkrebs biologisch überlegen und verdrängt ihn auch ohne eine Übertragung der Krebspest.

Der Signalkrebs hat seinen Namen durch einen markanten, weiß bis türkisblau gefärbten Fleck auf der Oberseite der Scheren erhalten. Da er bei keiner anderen Krebsart auftritt, ist er ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal, aber nicht immer sehr deutlich ausgeprägt. In Übereinstimmung mit dem Edelkrebs hat auch der Signalkrebs rote Scherenunterseiten und zwei Paar Augenleisten, das hintere Leistenpaar ist jedoch oftmals nur undeutlich ausgeprägt. Die dornenlosen Seiten des insgesamt auffällig glatten Körperpanzers sind daher ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal.

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Roter Amerikanischer Sumpfkrebs (Procambarus clarkii)

Der bis 15 cm Körperlänge erreichende Rote Amerikanische Sumpfkrebs wird teilweise immer noch als exotischer Besatz für Aquarien und Gartenteiche angeboten. Durch das Aussetzen und Entweichen in Gefangenschaft gehaltener Tiere (Rote Amerikanische Sumpfkrebse sind für ihre Wanderfreude - auch über Land - bekannt) sind mittlerweile einige freilebende Bestände in NRW entstanden. Aufgrund der sehr hohen Vermehrungsraten und Widerstandsfähigkeit ist eine weitere Ausbreitung dieser Art zu befürchten.

Die erwachsenen Tiere sind an ihrer roten bis schwarzen Körperfärbung und den mit leuchtend roten Warzen besetzten Scheren gut zu erkennen. Jungtiere dagegen sind mehr grünlich gefärbt. Daher sind die auffällig schlanke Gestalt und die sich berührenden Rückenfurchen wichtige Bestimmungsmerkmale.

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Marmorkrebs (Procambarus fallax)

Der nur selten über 10 cm (max. 12 cm) große Marmorkrebs ist ein beliebter Aquarienkrebs. Da er sich sehr schnell vermehrt, werden häufiger überzählige Tiere unbedacht ausgesetzt. Sich ausbreitende Bestände zeigen, dass die Tiere den Winter überleben können. Mittlerweile gibt es auch für NRW mehrere Hinweise auf ausgesetzte Marmorkrebse. Einzeltiere konnten schon in Rhein und Ruhr gefangen werden. Ob sich der Marmorkrebs hier auch ausbreitet und welchen Einfluss er auf die Lebensgemeinschaft hat, bleibt abzuwarten. Eine Besonderheit dieser Art ist, dass die weiblichen Tiere auch ohne Männchen Nachwuchs hervorbringen können. Ein ausgesetzter Marmorkrebs kann daher schon ausreichen, einen frei lebenden Bestand zu gründen. Als amerikanische Flusskrebsart kann auch er die Krebspest übertragen.

Marmorkrebse sind gut an ihrem auffällig gefleckten Vorderkörper zu erkennen. Die Scheren sind im Vergleich zum Körper eher klein. Als weitere Bestimmungsmerkmale eignen sich die kleinen, an den Seiten befindlichen Dornen und die eng zusammenlaufenden Rückenfurchen.

Aktuelle Veröffentlichung zum Marmorkrebs:

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Weitere zu erwartende Flusskrebsarten:

Kalikokrebs (Orconectes immunis)

Der Kalikokrebs wurde ebenfalls unbedacht ausgesetzt und breitet sich seitdem von Baden-Württemberg ausgehend im Rhein stetig aus. So wird diese Art auch bald NRW erreichen. Trotz seiner mit bis zu 9 cm geringen Größe verdrängt er den Kamberkrebs. Der Kalikokrebs ist sehr anspruchslos und besiedelt gerne Altarme und Restwassertümpel, in denen er dann besser nachweisbar ist, als im Hauptstrom. Seine über einen Meter langen Höhlen können die Ufersicherheit gefährden. Als amerikanische Art ist er ein Überträger der Krebspest.

 

Red Claw (Cherax quadricarinatus)

Die erwachsenen Tiere sind an ihrer roten bis schwarzen Körperfärbung und den mit leuchtend roten Warzen besetzten Scheren gut zu erkennen. Jungtiere dagegen sind mehr grünlich gefärbt. Daher sind die auffällig schlanke Gestalt und die sich berührenden Rückenfurchen wichtige Bestimmungsmerkmale.

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Gefährdung der heimischen Krebsarten

Die in NRW kritische Bestandssituation des Edel- und Steinkrebses ist Folge schwerwiegender Eingriffe des Menschen in seine Lebensräume und der Faunenverfälschung mit fremdländischen Krebsen in Europa. Die gegenwärtige Situation lässt sich im Wesentlichen auf die nachfolgend beschriebenen Ursachenkomplexe zurückführen:

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Schutz und Förderung der heimischen Flusskrebse - was ist zu tun?

Zwar genießen die heimischen Flusskrebsarten durch verschiedene Rechtsvorschriften (EU-FFH-Richtlinie, Bundesartenschutzverordnung, Naturschutzrecht und Fischereirecht) einen hohen Schutz und eine ganzjährige Schonzeit; dies reicht aber zur langfristigen Erhaltung dieser Arten nicht aus.

Notwendige Schutzmaßnahmen

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Förderung durch Wiederansiedlung

Die Wieder- bzw. Neuansiedlung heimischer Flusskrebse in hierfür geeigneten und aus eigener Kraft nicht zu erreichenden Gewässern ist neben dem Schutz schon bestehender Populationen ein wirkungsvoller Beitrag zum Erhalt dieser stark gefährdeten Tierarten. Nur durch diesen Ausgleich der durch die Krebspest entstehenden Verluste kann das Überleben der heimischen Flusskrebse gesichert werden.

Zu Beginn sollte eine Überprüfung der Gewässereignung vorgenommen werden. Neben der Eignung des Gewässers in Bezug auf Typ, Struktur und Wasserqualität als Lebensraum für Flusskrebse ist wichtig, dass im Gewässer selbst und in den Zuläufen keine Flusskrebse vorhanden sind bzw. in nächster Zeit einwandern können. In der Regel trifft dies nur auf naturnahe Oberläufe von Fließgewässern sowie Stillgewässer mit überschaubaren Einzugsgebieten zu. Weiterhin sollten spezielle Fressfeinde, wie v.a. der Aal nur in geringen Beständen vorhanden sein. Auch muss die Bereitschaft aller Gewässernutzer gegeben sein, Verhaltensweisen zum Schutz vor einer Übertragung der Krebspest einzuhalten. Sollte es doch zu einem Ausbruch kommen, müssen Infektionsbarrieren (z.B. unbesiedelte Abschnitte) ein Überspringen der Krebspest auf andere Bestände verhindern. Eine flächendeckende Ansiedlung der heimischen Arten ist daher nicht mehr möglich. Für den Besatz von heimischen Flusskrebsarten sollten möglichst Tiere aus der jeweiligen Region verwendet werden. Ohne Sondergenehmigung dürfen nur aus NRW stammende Flusskrebse besetzt werden.

Bezugsadressen für Edelkrebse

Bei Fragen zum Flusskrebsbesatz wenden Sie sich an uns, wir beraten Sie gerne!

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Kriterien für den Besatz von Edelkrebsen

Ursprünglich war der Edelkrebs (Astacus astacus) in Mitteleuropa sehr weit verbreitet und wohl in den meisten Gewässern Nordrhein-Westfalens vorhanden. Heute finden sich die wenigen verbliebenen und ursprünglichen Vorkommen überwiegend in Oberläufen von Fließgewässern. Dieser Lebensraum stellt aber ein Rückzugsareal dar. Der optimalere Lebensraum des Edelkrebses ist ein sommer-warmes Gewässer.

Im Gegensatz zu vielen anderen Süßwasserorganismen ist der Edelkrebs nicht nur durch Gewässerverschmutzung und Gewässerausbau gefährdet. Die größte Gefahr geht von einer aus Amerika eingeschleppten Krankheit - der „Krebspest“ - und von amerikanischen Flusskrebsarten aus. Diese übertragen nicht nur die für die europäischen Flusskrebsarten absolut tödliche Krebspest, sondern breiten sich immer mehr aus und besetzen den ursprünglichen Lebensraum des Edelkrebses. Auf diesem Hintergrund müssen alle Besatzmaßnahmen bzw. die Eignung eines Besatzgewässers gesehen werden. Um große Krebspestausbrüche zu verhindern, sollen zwischen den einzelnen Beständen Infektionslücken bestehen bleiben.

Die folgenden Kriterien sollten bei einem erfolgversprechenden Besatz von Edelkrebsen beachtet werden:

Sie haben die Möglichkeit diese Besatzkriterien auf unserer Downloadseite herunter zuladen.

Bei Fragen zum Flusskrebsbesatz wenden Sie sich an uns, wir beraten Sie gerne!

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Bestimmung von Flusskrebsen

Die bei uns lebenden Flusskrebsarten können anhand ihrer Körperform und -größe, bestimmter Strukturen (Dornen, Leisten) auf dem Panzer sowie spezifischer Farbmerkmale recht einfach unterschieden werden. Für die Bestimmung ist es vorteilhaft, mehrere Individuen zur Verfügung zu haben. Die Krebse sollten zur Identifizierung der Merkmale wenig verschmutzt sein, was hauptsächlich in den Sommermonaten der Fall ist. Die Tiere häuten sich in dieser Zeit, d. h. sie streifen ihren alten, oftmals verunreinigten Krebspanzer ab und bilden einen neuen, sauberen Panzer aus.

Mit dem folgenden Bestimmungsschlüssel ist eine Unterscheidung der sechs derzeit in NRW vorkommenden sowie von zwei in anderen Bundesländern nachgewiesenen Flusskrebsarten möglich. Durch die Betrachtung jeweils eines einzelnen Merkmals werden die Arten unterteilt. So ist das erste Unterscheidungsmerkmal z.B. die Zahl der Augenleisten. Kamber-, Kaliko-, Marmor-, Stein- und Roter Amerikanischer Sumpfkrebs besitzen ein längliches Paar dieser direkt hinter den Augen sitzenden Leisten. Signal-, Edel- und Galizischer Sumpfkrebs besitzen dagegen zwei Paar bzw. die längliche Augenleiste ist deutlich unterbrochen. Darauf folgen weitere Merkmalsabfragen. Ist die Bestimmung bis zur einer Art abgeschlossen, sollten die jeweils unter den Artnamen aufgeführten Zusatzmerkmale überprüft werden. Treten hier Differenzen auf, ist die Bestimmung zu wiederholen. Bei Bestimmungsschwierigkeiten können Sie auch ein Foto mit dem ausgefüllten Meldeformular zusenden, das Bestimmungsergebnis teilen wir Ihnen dann gerne mit.

Adresse: Edelkrebsprojekt NRW
Dr. Harald Groß (Projektleiter)
Neustraße 7 – 53902 Bad Münstereifel
Tel.: 0 22 53 / 96 08 59 – Fax: 0 22 53 / 96 08 63
E-Mail: info@edelkrebsprojektNRW.de

Für die Überlassung von Textteilen und Fotos aus der Flusskrebsbroschüre des Landesfischereiverbandes Westfalen und Lippe e.V. (Bearbeitung: Dipl.-Biol. C. Burk) recht herzlichen Dank.

Zum Öffnen bzw. zum Herunterladen des Bestimmungsschlüssels und der Bestimmungsmerkmale als PDF-Dokument einfach das jeweilige Bild anklicken!
Bei Problemen schauen Sie sich bitte die Hinweise auf unserer Downloadseite an!

Hier geht es zum interaktiven Online-Bestimmungsschlüssel der Flusskrebse in Rheinland-Pfalz

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Wichtige Hinweise für die Kartierung von Flusskrebsbeständen!

Wie kann man Flusskrebse nachweisen?

Die einfachste Nachweismethode dieser nachtaktiven Tiere ist das nächtliche Absuchen von flachen Gewässerbereichen mit Taschenlampen zwischen April und Oktober. Auch das Umdrehen von Steinen am Tage kann bei dichteren Beständen zum Erfolg führen.

Gute Ergebnisse bringen beköderte Krebsreusen, mit denen auch tiefere Gewässer untersucht werden können. Als Köder eignen sich Weißfische und Leber besonders. Aber auch andere Fische und sogar Salami sollen Flusskrebse anlocken. Das Edelkrebsprojekt NRW stellt den ehrenamtlichen Kartierern Krebsreusen kostenfrei zur Verfügung.

Besonders im Frühjahr sind auch leere Krebspanzer oder tote Tiere ein sicherer Beweis für Flusskrebse im Gewässer. Die leeren Krebspanzer bleiben nach der Häutung, die Krebse regelmäßig vollziehen um zu wachsen, übrig, werden aber schnell gefressen.

Für die Kartierung von Flusskrebsen können in geringem Rahmen Aufwandsentschädigungen gewährt werden. Als Hilfe bei der Bestimmung der Arten liegt Informationsmaterial (Flusskrebsbroschüre, Bestimmungsschlüssel; siehe Downloadbereich) bereit und bietet das Projekt kostenlose Schulungen an.

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Rechtliche Bestimmungen

Grundsätzlich unterliegen die Flusskrebse und die Großmuscheln dem Fischereigesetz, daher hat nur der Fischereirechtsinhaber das Recht, diese Tiere zu fangen (§ 3 LFischG NRW). Weiterhin ist zum Fang ein gültiger Fischereischein notwendig (§ 31 LFischG NRW). Eine Ausnahme stellen private, stehende Gewässer unter 0,5 ha Fläche dar.

Der Edelkrebs und alle heimischen Großmuschelarten sind aber ganzjährig geschützt und dürfen auch durch den Fischereirechtsinhaber dem Wasser nicht entnommen werden (§ 1 LFischO NRW).

Ausnahmegenehmigungen für die zeitweise Entnahme dieser Tiere müssen bei der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises (Naturschutzrechtliche Genehmigung) und bei der Oberen Fischereibehörde der Bezirksregierung (Fischereirechtliche Genehmigung) beantragt werde.

Nicht genehmigungspflichtig ist eine Nachtbegehung von Gewässern mit Taschenlampen, solange ein Vorkommen von besonders geschützten Arten nicht bekannt ist (§ 42 BNatSchG). Derartige Nachtbegehungen sollten aber ebenfalls mit dem Gewässereigentümer oder dem Fischereipächter abgesprochen werden, um Konflikte zu vermeiden. Außerdem darf umzäuntes Privatgelände nicht betreten werden.


Ansiedlung von Flusskrebsen

Zwei Vorschriften sind hier zu beachten:

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Gefahr der Krebspestübertragung

Die Krebspest (Pilzerkrankung) stellt eine permanente und sehr große Gefahr für die heimischen Flusskrebsarten dar. Ist das erste Tier infiziert, steigt die Erregerkonzentration sprunghaft an. Durch das Fressen verendeter Artgenossen breitet sich die Krankheit zusätzlich rapide in einem Bestand aus. Die Krankheit tötet einen Krebs in wenigen Tagen und in der Regel dauert es nur Wochen, bis der gesamte Bestand vernichtet ist.

Viele, der bei uns weit verbreiteten amerikanischen Flusskrebse (Kamberkrebs, Signalkrebs, Roter Amerikanische Sumpfkrebs) tragen die Krankheit in sich und scheiden Erreger aus. Sie sind der Ausgangspunkt für neuerliche Krebspestausbrüche, ohne selbst Krankheitssymptome zu zeigen.

Das sollten Sie bei einem Besuch eines Krebsgewässers bedenken!

Die Erreger (Pilzsporen) sind in der Lage, bis zu 16 Tage im Wasser ohne Krebs zu überleben. In dieser Zeit ist eine Verbreitung durch alle Arten von „Wassertransport“ möglich. Neben natürlichen Übertragungswegen verbreitet der Mensch häufig unbewusst diese Krankheit. So können die Erreger über feuchtes Angelgerät, Gummistiefel oder auch Wassersportgeräte von einem Gewässer zum anderen übertragen werden.

Daher sollten Sie Ihre Geräte vor dem Besuch eines Gewässers mit einem möglichen Bestand an heimischen Flusskrebsen gut trocknen. Auch eine Desinfektion mit jodhaltigen Desinfektionsmitteln, eine Wärmebehandlung (30°C über 30 Stunden) oder Durchfrieren (-20°C über mindestens 20 Stunden) töten den Erreger ab.

Durch Fischbesatz oder Einbringen von Wasserpflanzen können nicht nur Erreger, sondern auch kleine Krebse übertragen werden. Das ein Aussetzen amerikanischer Flusskrebsarten in andere Gewässer einer Katastrophe gleich kommt, versteht sich auf Grund der Krebspestübertragung und der Verdrängung der heimischen Flusskrebsarten von selbst.

Bitte beachten Sie auch die Hinweise für Kartierer, die auf unserer Downloadseite herunter geladen werden können.

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Literaturempfehlungen zum Thema Flusskrebse

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Fressen Vögel Flusskrebse?

Immer wieder wird die Frage gestellt, ob Vögel auch Flusskrebse als Nahrung nutzen. Die Krebsbrut soll nach Hager (1996) von Eisvogel und Wasseramsel gerne verzehrt werden. Auch Enten sollen vor allem in dicht besiedelten Teichen Jungkrebse fressen. Besonders dem Graureiher aber auch Krähen wird nachgesagt, dass sie auch größere Exemplare erbeuten.

Mit Ausnahme der Wasseramsel, die aktiv unter Wasser nach Kleintieren sucht, liegt die Vermutung nahe, dass Flusskrebse auf Grund ihrer nachtaktiven Lebensweise eher seltener von am Tage jagenden Vögeln erbeutet werden.

Zwei Ornithologen gelangen unabhängig voneinander hierzu einige interessante Beobachtungen. So stellte Herr Michael Kuhn fest, dass Eistaucher und Samtenten, die an einem mit Kamberkrebsen besiedelten Baggersee überwinterten, sich zum großen Teil von Flusskrebsen ernährten. Dabei wurde den Enten der Fang häufiger von Möwen abgejagt. Herr Kuhn vermutet, dass v.a. Vogelarten, die zeitweise auch an der Küste leben, Krebstiere als Nahrung kennen und sie auch im Binnenland nutzen.

Dass auch Haubentaucher Flusskrebse fressen, konnte Herr Dr. Werner Gossel mit eindrucksvollen Fotos dokumentieren. Welche Flusskrebsart die Vögel hier verspeisen, ist nicht ganz klar. Wahrscheinlich handelt es sich um den Kamberkrebs oder den Roten Amerikanischen Sumpfkrebs, die beide in diesem Gewässer vorkommen sollen.

Ob die größere Tagaktivität der amerikanischen Arten die Nutzung durch Vögel begünstigt oder auch Edelkrebse gefressen werden, ist noch zu klären. Auf Grund der Tatsache, dass Taucher in Seen bei geringerem Lichteinfall auch Edelkrebse am Tage beobachten, spricht zumindest für die Möglichkeit. Den teilweise sehr dichten Flusskrebsbeständen in einigen Seen werden die Verluste durch Vögel aber nicht schaden.

Wir möchten uns bei Herrn Kuhn und Herrn Dr. Gossel für ihre Zusammenarbeit bedanken. Es ist immer schön wenn zwei auf den ersten Blick so unterschiedliche Bereiche Anknüpfungspunkte finden.
 

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Neue Flusskrebsart entdeckt!

Auch eine für NRW neue Flusskrebsart konnte durch die Kartierungsarbeiten im Rahmen des Edelkrebsprojektes nachgewiesen werden. Bei einem Tauchgang entdeckte Peter Mülhens in einem Baggersee eine australische Flusskrebsart (Cherax quadricarinatus), im Aquarienhandel auch als „Red Claw“ bezeichnet. Das Tier wurde offensichtlich durch Aquarianer ausgesetzt.

Da es sich um eine „Warmwasserart“ handelt, ist ein längeres Überleben allerdings wenig wahrscheinlich. Darüber hinaus übertragen die australischen Krebse im Gegensatz zu ihren amerikanischen Vettern nicht die „Krebspest“. Von dieser für heimische Flusskrebse tödlichen Pilzerkrankung geht weiterhin die größte Gefahr für die heimischen Flusskrebse aus. Der unbedachten Verbreitung nicht heimischer Arten durch den Menschen möchte das Edelkrebsprojekt durch Aufklärung entgegenwirken.
 

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